Was Berliner Baustellen über die Zukunft des Bauens erzählen!

Pressemitteilung vom 07.09.2026

Vom 7. bis 9. September waren wir gemeinsam mit Unternehmen und Organisationen aus Polen, Dänemark, Litauen, Schweden und Deutschland in Berlin unterwegs. Im Rahmen des EU-Projekts Circular South Baltic wollten wir herausfinden, wie nachhaltiges und zirkuläres Bauen nicht nur in der Theorie, sondern ganz konkret vor Ort aussieht.

Am ehemaligen Flughafen Tegel steht eine Tür, die ihre ursprüngliche Aufgabe erfüllt hat. Man könnte sie ausbauen, abtransportieren und entsorgen.

Oder man stellt eine andere Frage: Wo könnte sie als Nächstes gebraucht werden?

Dieser Perspektivwechsel begleitete uns während unserer Study Tour. Von GOLDBECK über Berlin TXL und den Urban Mining Hub von Concular bis zum EDGE Friedrichspark und dem CRCLR House begegnete uns immer wieder dieselbe Idee: Ein Gebäude ist kein Endprodukt, sondern ein temporäres „Lager“ wertvoller Materialien.

Bei GOLDBECK beginnt Nachhaltigkeit bereits in der Produktion. Weniger Abfall, emissionsärmere Logistik und eine effizientere Nutzung von Material sollen den Weg zu weitgehend emissionsfreien „Blue Buildings“ ebnen. Eine Schlüsselrolle spielt CO₂-reduzierter Beton. Beim Sonocrete-Verfahren beschleunigt Ultraschall das Erhärten des Betons, sodass weniger Zement benötigt wird. Gegenüber einem Base Building sollen die sogenannten Blue Buildings bis zu 40 % weniger CO₂ verursachen. Diese Varianten sind zunächst teurer. Gleichzeitig werden überprüfbare Nachhaltigkeitsstandards zunehmend zur Voraussetzung für Finanzierungen. Förderprogramme und die entsprechende Beratung können helfen, die Mehrkosten aufzufangen.

Doch was passiert nach der Nutzung eines Gebäudes?

Hier setzt Concular an. Am ehemaligen Flughafen Tegel werden rund 50 bis 60 verschiedene Bauteilgruppen untersucht und digital erfasst. Dabei genügt es nicht, ein Fenster oder eine Brandschutztür einfach als „vorhanden“ zu markieren. Es muss geklärt werden:

>Lässt sich das Bauteil zerstörungsfrei demontieren?
>Ist es schadstoffbelastet?
>Entspricht es heutigen Normen?
>Wie hoch sind Aufwand, CO₂-Fußabdruck und Nachfrage?
>Und wo kann es anschließend eingesetzt werden?

Für Berlin TXL koordiniert Concular diese Prozesse strategisch, technisch und organisatorisch. Die digitale Plattform schafft Transparenz über Materialbestände. Ein Leitfaden definiert praktische Abläufe.

Die bevorzugte Lösung ist die Wiederverwendung direkt vor Ort. Das ist in Tegel besonders anspruchsvoll: Das ikonische Flughafenensemble der 1970er-Jahre steht unter Denkmalschutz. Form, Farben und Details müssen erhalten werden, während zugleich Schadstoffe, technische Anforderungen und wirtschaftliche Fragen zu berücksichtigen sind.

♻️ Vielleicht besteht die wichtigste Leistung deshalb darin, ein bestimmtes Wort gar nicht erst zu verwenden: „Abfall“.

Was das praktisch bedeutet, zeigt ein weiteres Berliner Projekt.

Das CRCLR House auf dem Gelände der ehemaligen Kindl-Brauerei geht noch einen Schritt weiter. Eine alte Lagerhalle wurde erhalten, zirkulär saniert und um ein Holzgeschoss ergänzt. Selbst Teile des früheren Stahldachs erhielten neue tragende Funktionen.

Systembau bietet dafür ein besonderes Potenzial. Wenn Bauteile standardisiert, dokumentiert und lösbar verbunden sind, lassen sich künftig nicht nur Materialien recyceln, sondern ganze Türen, Fassadenelemente, Deckenplatten oder Betonbauteile erneut einsetzen.

Die eigentliche Innovation ist deshalb vielleicht kein einzelner Baustoff und keine einzelne Technologie. Es ist ein neues Verständnis von Gebäuden: Sie werden geplant, als hätten ihre Bestandteile noch ein zweites Leben vor sich.

Die Frage lautet nicht mehr nur: Wie bauen wir dieses Gebäude?

Sondern auch: Was kann später daraus werden?

lnkd.in/p/d-DHV2W2
 

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